CSD Siegen e.V. verleiht „Buntes Krönchen“ an Astrid E. Schneider

v.l.n.r.: Andreas Müller (Landrat Kreis Siegen-Wittgenstein), Jonas Winter (Vorstand CSD Siegen e.V.), Till Schneider (Kunststudent), Jörg Begler (Vorstand CSD Siegen e.V.)

Astrid E. Schneider wird vom CSD Siegen e.V. mit dem „Bunten Krönchen“ 2017 ausgezeichnet. Der Preis wird in diesem Jahr zum ersten Mal verliehen. Die Ehrung findet im Rahmen des Christopher Street Days am 29. Juli beim Regenbogenfest auf dem Scheiner-Platz statt. „Das ‚Bunte Krönchen‘ wird künftig jedes Jahr an eine Persönlichkeit verliehen, die sich um Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Trans- und Intersexuellen in der Region verdient gemacht hat“, so Jörg Begler und Jonas Winter vom CSD-Verein bei der Vorstellung des Preises.

Als Leiterin der Regiestelle „Leben im Alter“ der Stadt Siegen hat Astrid E. Schneider auch die besonderen Bedürfnisse von älteren Lesben und Schwulen ins öffentliche Bewusstsein gerückt.  So ist es ihr zu verdanken, dass der Rat der Universitätsstadt Siegen im Mai 2012 im Altenplan einstimmig beschlossen hat, die Situation gleichgeschlechtlich liebender älterer Menschen stärker zu berücksichtigen. Darauf aufbauend hat sie einen Fachtag unter dem Slogan „Anders altern - Sensibilisierung für ältere Schwule und Lesben“ organisiert, bei dem Experten aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen über Probleme, Wünsche und Hoffnungen älterer Lesben und Schwulen gesprochen und versucht haben, Lösungsansätze zu finden, die in die Angebote von Kommunen, Verbänden und Dienstleistern einfließen können.

„Grüne Berge, buntes Tal“

Der Christopher Street Day in Siegen findet in diesem Jahr unter dem Motto „Grüne Berge, buntes Tal“ statt. Schirmherr Landrat Andreas Müller verwies darauf, dass Bundestag und Bundesrat mit der Einführung der „Ehe für alle“ nach jahrelanger Diskussion erst vor wenigen Tagen die rechtliche Gleichstellung von hetero- und homosexuellen Partnerschaften umgesetzt haben. Damit sei eine wichtige Forderung von Lesben und Schwulen erfüllt. „Trotz rechtlicher Gleichstellung bleibt aber nach wie vor die große Herausforderung, die Akzeptanz von gleichgeschlechtlich Liebenden im Alltag zu stärken“, so Müller: „Wir müssen auch hier bei uns in Siegen-Wittgenstein feststellen, dass Lesben und Schwule sich oft nicht outen, weil sie Angst vor Diskriminierung am Arbeitsplatz oder in ihrem persönlichen oder privaten Umfeld haben.“

Vorstellung der Studie „Out im Office?!“

Deshalb betont der CSD-Verein immer wieder, dass der Christopher Street Day zwar auch ein buntes Fest ist, in erster Linie aber eine politische Demonstration. Das wird auch im diesjährigen Rahmenprogramm des CSD deutlich.

So findet am  Freitag, 21. Juli 2017, um 18:00 Uhr in Kooperation mit dem autonomen Referat queer@uni der Universität Siegen in den Räumen der IHK Siegen der Vortrag "Out im Office?!" statt. Referent ist Dr. Dominic Frohn, u.a. Hochschuldozent für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius in Köln. Er stellt eine Studie zur Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trans*-Personen am Arbeitsplatz vor, die nur wenige Tage vorher erstmals in Berlin von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes präsentiert wird.

„Die Vorgängerstudie war 2007 zu dem Ergebnis gekommen, dass die Hälfte der lesbischen und schwulen Beschäftigten ihre sexuelle Identität am Arbeitsplatz für sich behält, obwohl dies erhebliche Auswirkungen hat“, erläutert Jonas Winter vom CSD-Verein: „Personen, die einen solchen zentralen Aspekt ihrer Person am Arbeitsplatz nicht thematisieren können, erleben mehr psychosomatische Beschwerden und sind am Arbeitsplatz weniger zufrieden und leistungsfähig.“

Der Vortrag richtet sich an alle Interessierten, besonders aber an Vertreter von Personalabteilungen heimischer Unternehmen. „Die Ergebnisse von 2007 zeigen, dass es nur im Interesse der Unternehmen selbst sein kann, wenn sie ein Klima schaffen, in dem sich z.B. gleichgeschlechtlich Liebende angstfrei outen können“, so Winter.

Comiclesung mit Ralf König

Ein besonderes Highlight im Rahmenprogramm des CSD ist in diesem Jahr eine Comiclesung mit dem Erfolgsautor Ralf König. Bundesweit bekannt wurde er, weil der Film „Der bewegte Mann“ mit Till Schweiger auf seinen Comics basiert. In Siegen liest er jetzt aus „Pornstory“. „Die augenzwinkernd böse Familiengeschichte ist ein Kommentar zur ewigen Frage, ob heterosexuelle Männer und Frauen mit ihren Phantasien und Vorlieben eigentlich zusammen passen und was die allgegenwärtige Pornografie mit Ehemännern, Frauen und Jugendlichen macht“, sagt Jörg Begler vom CSD-Verein. Die Lesung findet am Donnerstag, 20. Juli, ab 19:30 Uhr im hackermann, Hindenburgstr. 8, in Siegen statt. Letzte Restkarten können im hackermann für 5 Euro je Karte erworben werden.  

Zum diesjährigen Rahmenprogramm des CSD gehören auch eine Führung zu Francis Bacon im Museum für Gegenwartskunst (Samstag, 22. Juli, 15:30 Uhr), der mit drei Oscars ausgezeichnet Film „Moonlight“ (Dienstag. 25. Juli, 19:30 Uhr, in Kooperation mit dem Filmklub Kurbelkiste e.V. im Kulturhaus Lÿz) und der traditionelle Gottesdienst am Vorabend des CSD unter dem diesjährigen Motto „Hier stehe ich“  (Freitag, 28. Juli, 19:30 Uhr, Ev. Martinikirche).

CSD mit Blasmusik, Travestie und bestem “Whitney Houston”-Double

Der Christopher Street Day selbst startet am Samstag, 29. Juli 2017, um 12:00 Uhr mit der Demonstration, die von der lautstarken Samba-Trommelgruppe „queerelas“ aus Köln begleitet wird.

Ab 13:00 Uhr beginnt das Regenbogenfest auf dem Scheinerplatz – zunächst u.a. mit der Siegener Band Fiete, den Power Puschels, den Tänzern DaVaLo & AngeLoco sowie mit Talks auf dem roten Sofa.

Highlights ab 17:00 Uhr: Die Bordkapelle der Stattgarde Colonia Ahoj – „schöne Melodien und mitreißende Stimmung mit Pauken und Trompeten, dicken Backen und dicker Trumm“. Anschließend steht das schreiend komische Travestieduo Ham & Egg auf der Bühne. „Die beiden haben das Publikum im letzten Jahr so unglaublich begeistert, dass wir sie in diesem Jahr auf jeden Fall wieder dabei haben wollten“, sagt Jörg Begler.

Das Abendprogramm bestreiten dann das Frauentrio „Abends mit Beleuchtung“ aus Köln, die Polittunten „Bahamaas“ aus Berlin und Ikenna – das beste „Whitney Houston“-Double. „Ikenna ist so gut, dass sogar der Nachrichtensender CNN sie einmal für die echte Houston gehalten hat“, erzählt Jonas Winter.

Zum Abschluss findet dann ab 22:00 Uhr die CSD-Party im Musikclub Meyer statt.

„Der CSD ist weltweit ein wichtiger Tag, der in Siegen am 29.07. gefeiert wird. Er macht sichtbar, dass ganz viele Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Trans- und Intersexuelle mitten unter uns leben und einfach nur ganz selbstverständlich gleichberechtigter Teil der Gesellschaft sein wollen. Wir laden alle ganz herzlich ein, diesen Tag unter dem Motto ‚Grüne Berge, buntes Tal‘ mit uns zu erleben!“, so Jonas Winter und Jörg Begler.