„Out im Office?!“ - Wer sich nicht verstecken muss, ist ein zufriedenerer Mitarbeiter

Dr. Dominic Frohn vom Institut für Diversity- & Antidiskriminierungsforschung (IDA) beim Vortrag „Out im Office?!“ in Siegen.

Wenn Schwule, Lesben oder Transsexuelle sich am Arbeitsplatz nicht verstecken müssen, profitieren sowohl die Unternehmen als auch die Betroffenen davon. Das ist eine zentrale Erkenntnis der Studie „Out im Office?!“, die Dr. Dominic Frohn jetzt in Räumen der IHK Siegen vorgestellt hat. Der CSD Siegen e.V. hatte zu dieser Vortragsveranstaltung eingeladen. „Je selbstverständlicher die Beschäftigten mit ihrer sexuellen Identität umgehen können, desto höher sind ihre Arbeitszufriedenheit und ihre Verbundenheit mit dem Unternehmen“, so Dr. Frohn.

Nach 2007 hat das Institut für Diversity- & Antidiskriminierungsforschung (IDA) die Studie „Out im Office?!“ zur Arbeitsplatzsituation lesbischer, schwuler, bisexueller und transsexueller (LSBT*)-Beschäftigter zum zweiten Mal durchgeführt. An der Befragung haben zwischen Februar und Mai 2017 insgesamt 2884 LSBT*-Beschäftigte teilgenommen.

Die Ergebnisse der Studie waren zwei Tage vor dem Vortrag in Siegen von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Berlin erstmals öffentlich präsentiert worden. Demnach hat sich die Zahl der lesbischen und schwulen Beschäftigten, die am Arbeitsplatz mit ihrer Sexualität offen umgehen, in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Knapp ein Drittel (28,9 Prozent) der Befragten spricht mit allen Kollegen offen über dieses Thema. 2007 waren es nur 12,7 Prozent.

Ein Drittel (30,5 Prozent) spricht dagegen mit niemandem oder nur mit wenigen Personen am Arbeitsplatz über die eigene sexuelle Identität. Dies war 2007 noch für 51,9 Prozent der Fall. Auch gegenüber Führungskräften wächst die Offenheit. Gleichzeitig ist die Zahl der Beschäftigten, die angeben, bereits Diskriminierung am Arbeitsplatz erlebt zu haben, unverändert hoch. Drei von vier Befragten (76,3 Prozent) berichten davon.

Die Befragung macht auf der einen Seite deutlich, dass das gewandelte gesellschaftliche Klima auch in den Unternehmen angekommen ist. Gleichzeitig erleben dreiviertel der LSBT*-Personen aber auch Ausgrenzung, Mobbing und Belästigung am Arbeitsplatz. Trotzdem führt das Outen im Unternehmen letztlich zu einer höheren Arbeitszufriedenheit und besseren Leistungen. Dieser scheinbare Widerspruch war dann auch Thema in der Diskussion über den Vortrag. Dr. Frohn konnte dies aber auflösen: Denn eine andere Studie habe gezeigt, dass die persönliche Belastung eines Menschen durch Mobbing oder Belästigung auf Grund seiner sexuellen Identität geringer ist, wenn er geoutet ist. Denn in vielen Fällen unterstützten heute Kollegen oder Vorgesetzte die betroffenen Kollegen und stehen ihnen zur Seite.

Weitere Informationen und die ganze Studie erhalten Interessierte unter www.diversity-institut.info. Die Vortragsveranstaltung „Out in Office?!“ war Teil des Rahmenprogramms des diesjährigen Christopher Street Days. Höhepunkt des CSD 2017 ist am kommenden Samstag, 29. Juli 2017, die Demo und das Straßenfest auf dem Scheiner-Platz.