Ralf König begeistert mit „Herbst in der Hose“

„Wer will schon ein Buch über zwei alternde Schwule lesen, die rum jammern?“ Diese Frage hat sich der Comic-Autor Ralf König gestellt, als er vor kurzem sein neues Buch „Herbst in der Hose“ fertig gezeichnet und getextet hatte. Die Antwort: Offensichtlich ganz viele! Denn das Comicbuch ist nicht nur ein Verkaufserfolg, sondern wurde auch von vielen Medien aufgegriffen und äußerst positiv besprochen. So überrascht es auch nicht, dass das Interesse an der Autorenlesung im Hackermann in Siegen äußerst groß war: Die Veranstaltung im Rahmenprogramm des diesjährigen Christopher Street Days war völlig ausverkauft, das Hackermann bis auf den letzten Platz besetzt.

König kommt aus Südwestfalen, geboren in Soest, lebt aber seit vielen Jahren in Köln. Markenzeichen seiner Figuren sind die überdimensionierten Knollennasen. Bundesweit bekannt wurde er durch „Der bewegte Mann“. Dieser Comic erblickte 1987 – also vor genau 30 Jahren – das Licht der Welt. Acht Jahre später wurde er von Sönke Wortmann  verfilmt und kam mit Til Schweiger in einer der Hauptrollen ins Kino. Noch Anfang der 90er Jahre wollte das bayerische Landesjugendamt den Comicband „Bullenklöten“ vierbieten und auf den Index setzen lassen. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften entschied aber anders: „Die Klöten waren Kunst“ erzählte König amüsiert im Hackermann.

Anfang der 90er Jahre entwickelte der Kultautor die beiden Figuren, die bis heute im Mittelpunkt seiner Comics stehen: Konrad und Paul. Ein schwules Paar, ziemlich ungleich: Konrad, ein eher intellektueller Schöngeist, Beethoven-Liebhaber und Stubenhocker, und Paul: ein kompakter Lederkerl, arbeitslos und Hobby-Pornoautor, der sich ständig in heterosexuelle Männer verguckt, die er aber eh nie bekommen kann.

Mit Konrad und Paul durchlebt und durchleidet die große Fangemeinde von Ralf König seit einem Vierteljahrhundert alle Höhen und Tiefen von schwulen Beziehungen. Dass in „Paul“ ganz viel Ralf König steckt, daraus macht der Autor kein Geheimnis. Und so verarbeitet er auch im neusten Werk „Herbst in der Hose“ viele eigene Gedanken und Ängste – nämlich die vorm Älterwerden.

Konrad und Paul sind in den Wechseljahren angekommen, in der "Andropause". Dass Paul eine Brille braucht und die Haare grau werden, ist gerade noch zu verkraften. Aber der Gedanke, dass die Manneskraft nachlässt, ist für ihn schier unerträglich. Und wenn Paul dann auch noch gezwungen ist, sich mit dem Liebesleben seines 80-jährigen Vaters im Altenheim auseinanderzusetzen, geht das schon an seine Grenzen. Völlig mit den Nerven am Ende ist er aber, als er erleben muss, dass ihm ein langjähriger Liebhaber die kalte Schulter zeigt und lieber mit einem jüngeren Kerl auf eine andere Party geht...
Viele durchaus sehr ernste Themen greift Ralf König in „Herbst in der Hose“ auf,  aber wie immer mit viel Humor: oft auch bittersüßem Galgenhumor. Und dem ein oder anderen Besucher im Hackermann blieb durchaus das Lachen im Halse stecken – in dem sichern Wissen, dass auch ihm das unabwendbare Schicksal von Konrad und Paul bevorsteht: das Älterwerden.

Nach über 90 Minuten brillanter Comic-Lesung  - König gab jedem seiner Figuren eine individuelle Stimme - wurde der Autor vom Publikum begeistert gefeiert. Und wie bei einem Popkonzert kam er um eine Zugabe nicht drum herum. Anschließend stellte sich König den Fragen des Publikums und nahm sich viel Zeit, Bücher zu signieren – ganz individuell mit Zeichnungen seiner Figuren: immer mit großer Knollennase!