CSD Siegen pulsierte mit perfektem Auftakt an allen Ufern

Foto: Regina Brühl

Während am vergangenen Wochenende vielerorts der Start der Bundesliga-Saison gefeiert wurde, gingen in Siegen beim 16. Christopher Street Day (CSD) einige tausend Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle auf die Straße, um für ihre volle rechtliche Gleichstellung zu demonstrieren. Die lautstarke Parade durch die Universitätsstadt wurde von Landrat Andreas Müller, der 2. stellvertretenden Bürgermeisterin Angelika Flohren und Manuel Cramer, dem Vorsitzenden des ausrichtenden CSD-Vereins angeführt. Eingeheizt von Sambaklängen der "Queerelas and Friends" mündete die Demonstration in ein buntes Straßenfest auf dem Scheinerplatz, an dem neben dem lokalen schwul-lesbischen Zentrum "andersROOM" auch der DGB und andere gesellschaftliche Organisationen sowie zahlreiche Parteien teilnahmen.

Mit "Siegen pulsiert - an allen Ufern" hatten sich die CSD-Organisator*innen dieses Jahr bewusst an das Stadtmotto sowie ein "Regionale"-Projekt angelehnt, das den Schauplatz der CSD-Feierlichkeiten aktuell in eine Großbaustelle verwandelt. Das hielt die schwul-lesbische Community jedoch nicht davon ab, ausgelassen und bei perfektem Sommerwetter die Fußgängerzone in der Unterstadt zu bevölkern. Viele Siegener*innen, die den Samstag zum Einkaufsbummel nutzten, gerieten eher zufällig in das bunte Treiben und ließen sich bereitwillig über Anlass und Hintergrund des Events aufklären.
Wie sehr sich die politische und gesellschaftliche Stimmung zu Gunsten von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen verändert hat machte der Auftritt des Schirmherrn Andreas Müller deutlich. Als erster amtierender Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein sprach er ein offizielles Grußwort, in dem er den CSD als "wichtiges und sichtbares Signal" für die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensweisen würdigte. Stolz verwies Müller darauf, dass unter seiner Ägide vor dem Kreishaus Regenbogenfahnen gehisst werden.

Als Vertreter der Stadt begrüßte der stellvertretende Bürgermeister und CDU-Landtagsabgeordnete Jens Kamieth die Besucher und betonte, dass der CSD inzwischen einen "festen Platz im Veranstaltungskalender Siegens" habe. Der schwul-lesbische Feiertag sei wichtig, um weiter gegen Vorurteile anzukämpfen.

Manuel Cramer, der Vorsitzende des 2014 gegründeten Veranstalter-Vereins hat dem CSD nach zwei Jahren auf Sparflamme neues Leben eingehaucht. In einer leidenschaftlichen Rede, die mehrmals von Applaus unterbrochen wurde, rief er dazu auf, den Kampf für Gleichberechtigung in Siegen und anderswo selbstbewusst weiter zu führen.
Doch der CSD wusste auch gut zu unterhalten. Für Aufsehen sorgte der Auftritt der Trommelgruppe "Blue Hawaii" der örtlichen AWO-Behinderten-Wohnstätte, die zeigten, wie bunt und vielfältig Siegen sein kann. Auch sonst hatte das vielfältige Kulturprogramm auf der Bühne vor dem Apollo-Theater für jeden Geschmack etwas zu bieten. Mit modernem Rock von "Los Potatoes" über Travestie und Chanson bis hin zu den swingenden "Drei Likören" bescherten die Organisator*innen den Siegener*innen und vielen auswärtigen Gästen ein zehnstündiges Programm der Extraklasse. Ein durchschlagender Erfolg, der Strahlkraft weit über die Region hinaus entwickeln konnte! „Der CSD Siegen 2015 hat einen Startpunkt markiert, an dem es jetzt anzuknüpfen gilt. Wir freuen uns auf die Zukunft!“, so Manuel Cramers Fazit des Tages.

Weitere Bilder sind in den nächsten Tagen in unserer Galerie zu finden.